Welche Schulden bleiben nach der Privatinsolvenz?
Die Restschuldbefreiung soll einen wirtschaftlichen Neustart ermöglichen. Sie erfasst viele Insolvenzforderungen, aber nicht jede Verbindlichkeit. Entscheidend sind Art, Entstehung, Anmeldung und rechtliche Einordnung der Forderung.
Welche Schulden werden grundsätzlich erfasst?
Grundsätzlich kann die Restschuldbefreiung viele Forderungen erfassen, die vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens begründet wurden. Dazu können beispielsweise Konsumentenkredite, Dispositionsschulden, unbezahlte Rechnungen und viele vertragliche Forderungen gehören. Die konkrete Einordnung muss im Einzelfall geprüft werden.
Ausgenommene Forderungen nach § 302 InsO
§ 302 InsO nennt insbesondere folgende Ausnahmen:
- Verbindlichkeiten aus vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlungen, wenn der Rechtsgrund ordnungsgemäß angemeldet wird,
- vorsätzlich pflichtwidrig nicht gewährter gesetzlicher Unterhalt,
- bestimmte Steuerschulden bei rechtskräftiger Verurteilung wegen einer Steuerstraftat,
- Geldstrafen und gesetzlich gleichgestellte Verbindlichkeiten,
- zinslose Darlehen, die zur Begleichung der Kosten des Insolvenzverfahrens gewährt wurden.
Was ist mit neuen Schulden?
Verbindlichkeiten, die erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens neu begründet werden, sind grundsätzlich nicht einfach Teil der späteren Restschuldbefreiung für die alten Insolvenzforderungen. Neue Verträge und laufende Kosten müssen daher weiterhin bezahlt werden.
Unterhalt, Steuern und Bußgelder
Nicht jede Unterhalts- oder Steuerforderung bleibt automatisch bestehen. Das Gesetz knüpft die Ausnahme an konkrete Voraussetzungen. Bußgelder, Ordnungsgelder und Geldstrafen sind ebenfalls differenziert zu beurteilen. Lassen Sie streitige Forderungen rechtlich prüfen.
Warum die Forderungsanmeldung wichtig ist
Gläubiger können bei bestimmten Forderungen einen besonderen Rechtsgrund anmelden. Betroffene sollten die Insolvenztabelle und Mitteilungen des Gerichts beziehungsweise der Verfahrensverwaltung sorgfältig prüfen und bei Unklarheiten rechtzeitig Rechtsberatung einholen.
Wie lange dauert die Restschuldbefreiung?
Die Abtretungsfrist beträgt grundsätzlich drei Jahre ab Eröffnung des Verfahrens. Ein Insolvenzverfahren besteht aber aus mehreren Abschnitten. Unser Überblick Privatinsolvenz in Köln erklärt Vorbereitung, Einigungsversuch, Antrag und Verfahrensablauf.
Häufige Fragen
Bleiben Schulden bei Freunden oder Familie bestehen?
Private Darlehen sind nicht allein wegen der persönlichen Beziehung ausgenommen. Entscheidend sind Entstehung und rechtliche Einordnung.
Werden Mietschulden erlassen?
Alte Mietforderungen können grundsätzlich Insolvenzforderungen sein; neue laufende Miete muss bezahlt werden. Ein Mietverhältnis wirft zusätzliche Fragen auf, die individuell geprüft werden sollten.
Was passiert mit nicht angemeldeten Gläubigern?
Die Auswirkungen hängen vom Verfahren und der konkreten Forderung ab. Gläubiger sollten vollständig angegeben werden; bewusst unrichtige oder unvollständige Angaben können die Restschuldbefreiung gefährden.
Forderungen vor dem Antrag vollständig ordnen
Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, welche Unterlagen und Gläubigerangaben für die Vorbereitung benötigt werden.
Allgemeine Information, keine individuelle Rechtsberatung. Stand: August 2026.
